Entwicklung der Erdkontinente

Entwicklung der Erdkontinente und heutige Reptilien

Die Plattentektonik wird heute nicht mehr in Zweifel gezogen. Zu Lebzeiten von Alfred Wegener, dem "Vater" der Kontinentalverschiebung, war das noch anders. Dabei liefern sogar noch heute lebende Reptilien Hinweise, dass Wegener Recht hatte.

Quelle: Kieff, verändert von Benutzer: TomCatX. - Von Wiki Commons: Image: Pangaea continents.png, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16339980
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Vor 200 Millionen Jahren gab es auf der Erde nur einen großen Kontinent, Pangäa, mit einem V-förmigen Einschnitt in der Mitte des Ostrandes, dem Tethysmeer. Pangäa war eine riesige Landmasse aus Wüsten, Salzseen, Gebirgen, tropischen Sümpfen, Wäldern und Savannen, die von primitiven Reptilien, unter denen sich die ersten Dinosaurier befanden, durchstreift wurden. Pangäa brach vor ca. 135 Millionen Jahren auseinander. Grabenbildung und Verbreiterung des Meeresbodens öffneten den Atlantik zwischen Nordamerika und dem Kontinent Gondwana, in dem unter anderem Südamerika und Afrika noch vereint waren.

Vor 100 Millionen Jahren trennten sich Südamerika und Afrika. Das restliche Gondwana spaltete Indien ab. Vor 45 Millionen Jahren passierte Indien den Äquator, Afrika näherte sich Europa und verengte das Tethysmeer. Australien löste sich von der Antarktis und driftete nach Norden. Soweit zur Kontinentaldrift.

Brasilianische Grüne Meeresschildkröte (Tartaruga verde)
Eine evolutionäre Folge des Auseinanderbrechens von Pangäa ist seine fortdauernde Wirkung auf bestimmte Arten. Das Verhalten der grünen Meeresschildkröte, die an der Küste Brasiliens lebt, ist ein Beispiel dafür. Diese Art schwimmt alljährlich über den halben Atlantik, um ihre Eier an den Stränden der Insel Ascension abzulegen. Ascension ist eine kleine tropische Insel im Südatlantik zwischen Afrika und Südamerika. Doch warum diese lange Reise?

Die Plattentektonik liefert die Antwort: Das Verhaltensmuster wurde wahrscheinlich vor 100 Millionen Jahren in das genetische Programm der Meeresschildkröte aufgenommen, als sich der Atlantik zwischen Südamerika und Afrika zu öffnen begann. Meeresschildkröten legen gern ihre Eier auf vorgelagerten Inseln ab, um sie vor Räubern des Festlandes zu schützen.
Inseln versanken, neue entstanden. Im Laufe der Jahrmillionen mussten die Schildkröten immer weitere Strecken durchschwimmen, um ihr Brutgebiet zu erreichen, da sich ihre Heimat an der brasilianischen Küste langsam, aber stetig davon entfernte. 1500 Kilometer Ozean trennen sie heute von ihrem ehemaligen küstennahen Zufluchtsort.

Foto: Renate Lorenz
Foto: Renate Lorenz

Europäische Landschildkröten
Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) und die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) leben eigentlich auf dem ursprünglichen Meeresgrund ... auf dem Grund, aus den Sedimenten des Tethysmeeres mit einem ungeheurem Vorkommen von Kalk. Der Meeresboden hat sich im Laufe der Zeit und Erdbewegungen zu Gebirgen gehoben, dem Atlasgebirge, den Alpen und den Karstgebieten. In der Jura und Kreidezeit kam es im Raum der Tethys an den Rändern des Europäischen Kontinents und der Adriatischen Platte zu Ablagerungen von Kalk mit Bildung von Tiefseesedimenten. Dementsprechend haben die Landschildkröten ihren erhöhten Calciumbedarf in ihrem ursprünglichen Habitat immer decken können, Calciumquellen standen immer zur Verfügung.

Tiere, die in unseren Breiten gehalten werden, können prinzipiell Probleme mit ihrer Ernährung bekommen, der Proteingehalt der Nahrung ist zu hoch, der Calciumgehalt zu niedrig, daher sollte immer eine Calciumquelle ad libitum zur Verfügung stehen. Wenn man den Zusammenhang der Herkunft und des Ursprunges dieser Schildkröten kennt, sind die alimentären Probleme erklärbar.