Titus

Bussard in Winternot

Eine erfolgeiche Auswilderung

Titus wurde am 27. Januar 2010 südlich von Berlin, in Mahlow von einer Frau völlig entkräftet unter einem Busch gefunden. Der stolze Greif war dem Verhungern nahe und konnte weder fliegen noch flüchten. Die Finderin erkannte die lebensbedrohliche Situation und nahm ihn deshalb mit. Doch die ortsansässige Tierärztin sah sich nicht in der Lage, den Vogel aufzunehmen und ihn zu versorgen. Sie schickte die Finderin stattdessen zu uns nach Lichterfelde.

Bei uns angekommen, ergab die erste Untersuchung, dass der große Vogel Gott sei Dank keine Brüche oder sonstigen Verletzungen hatte. Ihm war "nur" der lange und kalte Winter beinahe zum Verhängnis geworden, denn Mäuse lassen sich bei diesem Wetter so gut wie nie über dem Schnee blicken. Das Tier war völlig ausgehungert. Susi schwang sich sofort auf ihr Fahrrad und fuhr zum Metzger, um dort frisches Herz und Leber zu kaufen. Doch selbst diese Leckereien konnte Titus nicht mehr selbst fressen. "Kurz vor dem Verhungern nehmen die Tiere keine Nahrung mehr an", erklärt Dr. Lorenz. "Sie könnten die dann auch nicht mehr verdauen". So war das damals auch mit Florian.

Fütterungszeit

Also haben wir Titus gefüttert - mit kleinsten Portionen. Immer mit einer langen Pinzette so weit wie möglich in den Schlund, bis fast in den Kropf, und dann mit Wasser runterspühlen. Diese Prozedur wiederholten wir in den ersten Tagen etwa alle zwei Stunden. Zum Verdauen und damit Titus sich beruhigen und Kraft sammeln kann, gaben wir ihn in einen großen Transportkäfig für Katzen. Dort konnte er sich bis zur nächsten Mahlzeit ausruhen. Bis er dann erstmals wieder größere Brocken zu fressen bekam, die ihm sichtlich schmeckten.

Offenbar hat Titus erkannt, dass ihm von uns keine Gefahr droht, denn er läßt sich auch jetzt noch, wo er wieder etwas zu Kräften gekommen ist, bereitwillig füttern und auch streicheln. Im Moment ist er natürlich die Attraktion in der Praxis und wenn er sein Futter bekommt, steht meist das gesamte Wartezimmer staunend dabei und sieht uns dabei zu. Dann darf jeder, der mag, unseren Titus einmal vorsichtig über sein weiches Federkleid streicheln.

Zurück in die Freiheit

Titus wird noch einige Tage bei uns bleiben, und wir hoffen sehr, dass das strenge Winterwetter etwas abklingt. Dann werden wir ihn in seinem angestammten Revier wieder in die Freiheit zurück bringen. Dorthin, wo die tierliebe Dame ihn gefunden und vor dem sichern Tode gerettet hat.

So ... heute, am 4. Februar war es so weit. Titus wollte raus in die Freiheit. Er war kaum noch zu halten und in seinem Käfig hüpfte er unruhig hin und her. In der Mittagspause fiel die Entscheidung: Wir bringen ihn wieder zurück, wo er herkam. Also wurde er noch einmal gefüttert und dann ab in den Hundekorb und ab in den Wagen in Richtung Mahlow. Dort, an einem Waldrand, haben wir von ihm Abschied genommen und ihn dann frei gelassen.

Es dauerte eine ganze Weile und wir zweifelten schon, ob er fliegen kann. Aber dann hob er kraftvoll ab und flog zielgerichtet den Waldrand entlang bis er plötzlich hart links abbog. Wir wurden neugierig, folgten ihm und erlebten eine freudige Überraschung: Susi entdeckte ihn als erste. Zunächst auf einem niedrigen Ast sitzend und etwas später fand sie sogar seinen Horst. Beides ist zwar nur schwer auf den Bildern auszumachen, aber wir wollten Ihnen diesen seltenen Anblick nicht vorenthalten. Titus jedenfalls ist seit heute wieder zu Hause!