Männlein oder Weiblein?

Erfahrene Züchter wissen, dass bei juvenilen Schildkröten noch keine geschlechtsspezifischen Merkmale ausgeprägt sind. Und eine Chromosomenuntersuchung zur Ermittlung des Geschlechtes - bei Vögeln üblich - ist bei Schildkröten nicht möglich, da das Geschlecht nicht durch die Geschlechtschromosomen determiniert ist, sondern durch die Bebrütungstemperatur der Eier.

Im adulten Zustand besteht Geschlechtsdimorphismus, beim männlichen Tier ist der Schwanz breiter und länger. Weibchen besitzen einen kurzen Schwanz mit schmaler Schwanzbasis.

Fotos: Renate Lorenz
Fotos: Renate Lorenz

Das Plastron des Männchens ist zudem konkav eingezogen, um beim Deckakt einen besseren Halt auf dem Weibchen zu ermöglichen. Außerdem bestehen geschlechtsspezifische Größenunterschiede: Bei Landschildkröten sind die Männchen größer, bei Wasserschildkröten sind die Weibchen größer.

Sekundäre Geschlechtsmerkmale:
Männliche Wasserschildkröten zeigen verlängerte Krallen an den Vordergliedmaßen.
Männliche Carolina-Dosenschildkröten haben eine rote Iris, die Weibchen eine gelblich-blaue bis rötliche Iris. Männliche Zacken-Erdschildkröten weisen eine weiße Iris, Weibchen eine cremefarbene auf.

Geschlechtsreife:
Der Eintritt der Geschlechtsreife findet bei klein bleibenden Arten wie die Moschusschildkröte nach 2 bis 3 Jahren statt, bei vielen Spezies wie der Europäischen Landschildkröte nach 5 Jahren, und bei großwüchsigen Schildkröten nach mehr als 15 Jahren.
Der Eintritt der Geschlechtsreife hängt jedoch nicht mit dem Alter zusammen, sondern tritt bei einer bestimmten Körpergröße ein. Das Wachstum der Reptilien ist abhängig von äußeren Einflüssen wie Umgebungstemperatur und Futterangebot. Übermäßige Fütterung, Haltung bei hohen Temperaturen und fehlende Hibernation führen zu einer beschleunigten Geschlechtsreife.